Verordnungsfähigkeit von Produkten zur enteralen Ernährung

Verordnungsfähigkeit von Produkten zur enteralen Ernährung

Im Folgenden möchten wir Ihnen kurz und prägnant die Verordnungsfähigkeit unserer verschiedenen Produkte über die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz hinweg zusammenfassen.

Medizinische Trink- und Sondennahrungen sind verordnungsfähig

Trink- und Sondennahrungen (medizinische enterale Ernährung) sind Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diäten). Im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln können sie gemäß § 21 der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) wie Arzneimittel verschrieben werden, wenn

  • der betroffene Patient an einer „fehlenden oder eingeschränkten Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung“ leidet und
  • sonstige Maßnahmen nicht ausreichen, um seine Ernährungssituation zu verbessern.

Sonstige Maßnahmen umfassen z. B. die Modifizierung der normalen Ernährung oder andere ärztliche, pflegerische oder ernährungstherapeutische Maßnahmen. Sie können mit der Verordnung von enteraler Nahrung kombiniert werden, wenn dies medizinisch notwendig ist.

Trink- und Sondennahrungen werden ähnlich wie Medikamente verordnet. Daher gelten für sie auch die entsprechenden Regeln für die Verschreibung. Das bedeutet u. a.:

  • Die Verordnung erfolgt auf einem Standard-Arzneimittelrezept (dem sogenannten Muster 16).
  • Bei Erwachsenen und Kindern über 12 Jahren muss die gesetzliche Zuzahlung (pro Rezeptzeile) geleistet werden.

Dokumentieren Sie die Verordnung von Trinknahrung

Nach § 21 der AM-RL müssen Sie aber auch bei aktuell fehlender Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung überprüfen, ob evtl. zusätzlich zu den Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation Ihres Patienten noch Trinknahrung verordnet werden sollte. Dies sollten Sie in Ihrer Dokumentation festhalten.

Eine sachgerechte Dokumentation ist wichtig, um mögliche Fragen seitens der Krankenkasse oder des MDK beantworten und die Antworten auch belegen zu können. Für die Verordnung gelten jedoch vergleichbare Regularien wie für Arzneimittel was z.B. Richtgrößen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen angeht.

Mit einer guten, durchgängigen Dokumentation sichern Sie sich ab. Natürlich stellen wir Ihnen gerne ein entsprechendes Dokument zum Download zur Verfügung.

Welche Trinknahrungen sind verordnungsfähig?

Trinknahrungen für Kinder und Erwachsene werden in § 19 Abs. 3 der AM-RL als sogenannte Elementardiäten (bilanzierte Diäten) definiert. Die Zusammensetzung bilanzierter Trinknahrungen ist in der europäischen Verordnung EU Nr. 609/2013 über Speziallebensmittel und der nationalen Diätverordnung geregelt. Sie schreibt u.a. Mindest- und Höchstmengen von Mikronährstoffen vor.

Damit Trinknahrungen verordnungsfähig sind, müssen sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie sind zur ausschließlichen Ernährung geeignet (sogenannte vollbilanzierte Diäten),
  • ihre Energiedichte beträgt mind. 1,0 kcal/ml (Ausnahmen gibt es für Produkte für Säuglinge),
  • die vorgegebenen gesetzlichen Grenzwerte werden nicht überschritten,
  • sie sind für viele Patienten und Krankheitsbilder einsetzbar
  • oder für bestimmte Ausnahmen, die in § 23 der AM-RL festgelegt sind, geeignet.

Verordnungsfähige Trinknahrungen müssen auch dann zur ausschließlichen Ernährung geeignet sein, wenn sie ergänzend zur normalen Ernährung im Rahmen der Ernährungstherapie eingesetzt werden.

Zur leichteren Zuordnung ist die Verordnungsfähigkeit unserer Trinknahrungen hier auf der Webseite aufgeführt .

Welche Sondennahrungen sind verordnungsfähig?

Bei der Verordnung von Sondennahrungen für Kinder und Erwachsene gelten weitestgehend die gleichen Regeln wie bei unseren Trinknahrungen. Informationen zur Verordnungsfähigkeit unserer Sondennahrungen finden Sie hier direkt auf der Webseite .

Verordnungsfähigkeit von Neocate

Neocate ist eine Spezialnahrung zur Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern mit Kuhmilchallergie oder multiplen Nahrungsmittelallergien. Neocate kann zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden, wenn die Vorgaben der Arzneimittelrichtlinie beachtet werden (§ 23 AM-RL).

Auch hier ist im Falle von Rückfragen der Krankenkassen oder der kassenärztlichen Vereinigung (KV) eine sorgfältige Dokumentation der Diagnose und Therapie bei Nahrungsmittelallergien unerlässlich. Für die Dokumentation zum Vorgehen bei Kuhmilchallergie stellen wir Ihnen einen Dokumentationsbogen zur Verfügung. Dieser Bogen basiert auf dem Konsensuspapier „Vorgehen bei Verdacht auf eine Kuhmilcheiweißallergie“ auf Basis der Empfehlungen der Fachgesellschaften GPGE, GPA und DGKJ.

Verordnungsfähigkeit unserer medizinischen Hilfsmittel

Bei der Anwendung von Sondennahrung sind zusätzlich medizinische Hilfsmittel notwendig, um die flüssige Nahrung über die Sonde in den Verdauungstrakt des Patienten einzuführen. Die dafür notwendigen Applikationshilfen wie Überleitsysteme oder Spritzen sind ebenfalls zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnungsfähig.

Für die Verordnung von medizinischen Hilfsmitteln gilt es Folgendes zu beachten:

  • Medizinische Hilfsmittel und enterale Nahrung sollen auf zwei getrennten Rezepten verschrieben werden. Dadurch können Rückfragen von der Krankenkasse vermieden werden.
  • Es gibt zahlreiche vertragliche Regelungen zwischen den jeweiligen Krankenkassen und den Versorgern. Oft ist es sinnvoll, sich mit dem Versorger des Patienten abzustimmen und die Bedingungen der Verordnungsfähigkeit im individuellen Fall zu klären.

Auch unser Nutricia-Ernährungsteam berät Sie gerne umfassend und kompetent zu allen Fragen. Hier  können Sie Kontakt aufnehmen und unseren kostenlosen Service nutzen.

Verordnungsfähigkeit: Das sind die gesetzlichen Grundlagen

Der Begriff der Verordnungsfähigkeit beschreibt,

  • welche Produkte
  • welchen Patienten
  • unter welchen Umständen

zulasten der GKV verordnet werden können. Diese Leistungen sind im fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) in der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) festgelegt (Kapitel I; § 18 bis § 26). 

Welche Kosten im Bereich der privaten Krankenversicherung (PKV) übernommen werden, hängt davon ab, welche Leistungen im Versicherungsvertrag vereinbart wurden. Bei Patienten, die in einer privaten Krankenkasse versichert sind, sollte im individuellen Vertrag geprüft werden, ob die „enterale Ernährung“ eingeschlossen ist. Sie ist allerdings in vielen Verträgen enthalten.

Verordnungsfähigkeit in Österreich

Unsere Trink-und Sondennahrungen

In Österreich sind Trink- sowie Sondennahrungen verordnungsfähig. Die genauen Regelungen sind allerdings abhängig vom jeweiligen Bundesland bzw. von der Krankenkasse des Patienten.

Individuelle Vorgaben bzw. Verträge können dazu führen, dass Versicherte unterschiedlicher Krankenkassen bei vergleichbarem Versorgungsbedarf mit unterschiedlichen Produkten beliefert werden. Welche Produkte tatsächlich bei welchen Krankenkassen gelistet sind, sollte im jeweiligen Einzelfall abgeklärt werden. Sowohl die Kassen als auch die versorgenden Unternehmen kennen die Vereinbarungen.

So ist bei einer Verordnung vorzugehen:

  • Begründete Verordnung des behandelnden Arztes
  • Bewilligung des Chefarztes der jeweiligen Krankenkasse
  • Anpassung und Genehmigung der Therapie und der Produkte bzw. Menge je nach Leistungen der individuellen Kasse

Verordnungsfähigkeit von Neocate

Auch Neocate ist in Österreich prinzipiell erstattungsfähig. Voraussetzung dafür ist die Diagnosestellung einer Kuhmilchproteinallergie durch einen Facharzt für Kinderheilkunde auf Basis der Präambel für das Vorgehen bei Verdacht auf eine Kuhmilchproteinallergie . Die Entscheidung über die Kostenübernahme obliegt den jeweiligen Chefärzten der Krankenkassen.

Verordnungsfähigkeit in der Schweiz

Unsere Trink-und Sondennahrungen

In der Schweiz können die Kosten für vollbilanzierte Trinknahrungen und Sondennahrungen für Erwachsene und Kinder aus der Grundversicherung übernommen werden. Voraussetzung für eine Kostengutsprache ist die medizinische Indikation gemäß den Richtlinien der Gesellschaft für Klinische Ernährung der Schweiz (GESKES) für die künstliche Ernährung zu Hause:

  • Die enterale Ernährung zu Hause ist gemäß GESKES-Richtlinien angezeigt, wenn die Ernährung über eine Sonde erforderlich ist.
  • Die sondenfreie enterale Ernährung (u. a. Trinknahrung) kann gemäß GESKES-Richtlinien bei Erkrankungen verbunden mit (einem Risiko für) Mangel- bzw. Unterernährung indiziert sein.

Das Kostengutsprachegesuch muss beim Schweizerischen Verband für Gemeinschaftsaufgaben der Krankenkassen (SVK) gestellt werden. Verordnungen von Versicherten der Helsana-Gruppe werden dem Homecare-Anbieter zugesandt. Für die Kostengutsprache müssen Sie als Arzt ein Kostengutsprachegesuch einreichen. Dieses wird gemäß den GESKES-Richtlinien zur künstlichen Ernährung zu Hause überprüft.

Verordnungsfähigkeit von Neocate

Neocate Infant ist auf der Spezialitätenliste (SL) / Geburtsgebrechenliste (GGML) aufgeführt und wird bei gegebener Indikation unter Berücksichtigung aller Therapieoptionen von der Krankenkasse übernommen. Wichtig ist die Diagnosestellung im ersten Lebensjahr.