Außerirdische Nahrung für Patienten

Vor 50 Jahren betritt der erste Mensch den Mond. An der optimalen Ernährung für die Raumfahrer war seit den frühen 60er Jahren geforscht worden. Den Weg ins Weltall fand die sogenannte „Astronautenkost“ nie, war aber ein Meilenstein in der Entwicklung der medizinischen Ernährung.

2019 jährt sich die Mondlandung bereits zum 50. Mal, von seiner Faszination hat das Weltereignis aber nur wenig verloren. Immerhin gilt die Mission zu dem gut 384.400 Kilometer entfernten Himmelskörper noch heute als bedeutendster Moment in der Geschichte der Raumfahrt. Im Vorfeld der Mission entwickelte das Erlanger Unternehmen Pfrimmer (heute Nutricia) in Kooperation mit der NASA Mitte der 60er Jahre eine spezielle Trinknahrung, die Allreisende auf langen Flügen und unter Extrembedingungen mit allen nötigen Nährstoffen versorgen und möglichst vollständig verstoffwechselt werden sollte – die Geburtsstunde der sogenannten Astronautenkost.

Landung am Patientenbett

Obwohl die Nahrung auf Basis freier Aminosäuren höchste ernährungsphysiologische Ansprüche erfüllte, wurde sie von den Raumfahrern wegen des unangenehmen Geschmacks abgelehnt. Und so verließ die damals entworfene Astronautenkost zwar nie die Erdatmosphäre, schuf aber die Grundlage für die moderne medizinische Trink- und Sondennahrung: 1969 wurde Vivasorb als erstes Präparat zur Verwendung in der enteralen Ernährung in Deutschland eingesetzt.

Fünf Jahre nachdem Vivasorb Einzug in die Krankenzimmer erhielt, leistete Pfrimmer mit Biosorbin MCT auch auf dem Gebiet der vollbilanzierten Diät in der enteralen Ernährung echte Pionierarbeit: Zum ersten Mal konnten Patienten mit einem synthetisch hergestellten Produkt vollständig ernährt und mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt werden. Besonders erfolgreich war der Einsatz in der Chirurgie zur Vorbereitung von Koloskopie und Darmoperationen, denn Biosorbin MCT ersparte den Patienten lange Nüchternheit vor der Operation und förderte gleichzeitig den gewünschten relativ keimarmen Zustand des Darmes.

Trink und Sondennahrung: Das Vermächtnis der Astronautenkost

In den Folgejahren entwickelte das Unternehmen Pfrimmer seine Produkte kontinuierlich weiter und ging 1991 in Nutricia über. Heute unterstützt die Astronautennahrung die Ernährungstherapie vieler Patienten, allein in Deutschland leiden 1,5 Millionen Menschen an Mangelernährung1. Besonders bei geriatrischen, onkologischen und pädiatrischen Patienten ist diese ein wichtiger Bestandteil der Gesamttherapie. Die modernen Trink- und Sondennahrungen haben ihren Ursprung in der Astronautenkost und so war diese zwar nur ein kleiner Schritt in der Geschichte der Raumfahrt, aber ein großer Sprung in der Entwicklung der Ernährungsmedizin.

Hier finden Sie wichtige Informationen zum Thema Mangelernährung bei Erwachsenen und Kindern in Deutschland.

Download: Factsheet Mangelernährung in Deutschland

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