Ernährungstherapie bei Krebserkrankungen

>> Ernährung als Teil des multidisziplinären Ansatzes bei der Krebsbehandlung – AL
>> Neue Kachexie-Leitlinien der ESMO und Leilinien zur Ernährung der ESPEN: Was ist der Unterschied? – JA
>> Von den Leitlinien zur klinischen Praxis – PR

 

Krebs entwickelt sich zunehmend von einer tödlichen zu einer chronischen und behindernden Krankheit, die sowohl Therapien zur Bekämpfung des Tumorwachstums als auch supportive Pflege erfordert. Die derzeit verfügbaren Therapien zielen jedoch hauptsächlich auf die Behandlung der Krebszellen ab, wogegen eine gründliche Evaluierung der spezifischen Bedürfnisse der Patienten oft fehlt (AL).

Krebs geht bei etwa 30 % aller Patienten mit einer Mangelernährung einher (JA). Der Ernährungszustand des Patienten hat aber einen großen Einfluss auf (AL, JA):

  • die Lebensqualität
  • die Immunkompetenz und -antwort
  • die Verträglichkeit und Einhaltung onkologischer Behandlungen
  • die Gesamt-Überlebensrate

Eine Fülle wissenschaftlicher Belege unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Ernährungstherapie in die Tumorbehandlung zu integrieren, da sie zu einer verbesserten Wirksamkeit der onkologischen Behandlungen und der Krankheitsprognose führt (PR).

Dennoch bleibt Mangelernährung bei Krebs enorm unterdiagnostiziert und unzureichend behandelt, da es noch kaum spezielle Ernährungsschulung an medizinischen Fakultäten sowie universelle Screening-Protokolle gibt (JA).

Sowohl die Europäische Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism; ESPEN) als auch die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (European Society for Medical Oncology; ESMO) haben 2021 Leitlinien zur Ernährungstherapie bei Krebspatienten herausgegeben. Sie empfehlen unter anderem eine ausreichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen, insbesondere Proteinen. Fette können bei Stoffwechselstörungen gegenüber Kohlenhydraten bevorzugt werden. Alle Ernährungsinterventionen sollten durch stimulierendes Muskeltraining begleitet werden (JA).

„Angehörige der Gesundheitsberufe haben die ethische Verantwortung, die verfügbaren klinischen Ernährungs-Leitlinien in der Onkologie umzusetzen” (Prof. Ravasco)

Die ESMO konzentriert sich in ihren Leitlinien auf die Anpassung der Behandlungen an die verschiedenen Stadien der Kachexie und unterstreicht die Notwendigkeit einer multiprofessionellen Betreuung. Sie gibt Empfehlungen für:

  • Screening auf Mangelernährung
  • Beurteilung des Ernährungszustandes
  • Ernährungsziele – Energie- und Nährstoffbedarf
  • Ernährungsspezifische Interventionen

Während viele Empfehlungen in beiden Leitlinien ähnlich sind, bieten die der ESPEN mehr Details zu speziellen Ernährungsinterventionen (JA).

Wichtig ist, dass diese Leitlinien nun in die tägliche Praxis integriert werden (PR).

Krebserkrankungen führen sehr häufig zu einer Mangelernährung, gekennzeichnet durch einen schlechteren Krankheitsverlauf und Verminderung der Lebensqualität. Obwohl mittlerweile viele klinische Studien vorliegen, die zeigen, dass eine gezielte Ernährungstherapie hier gegensteuern kann, wird Mangelernährung oft nicht erkannt und entsprechend behandelt. Aktuelle Leitlinien der ESPEN und ESMO liegen vor und sollten umgesetzt werden.

 

Inhalte dieses Artikels stammen aus den Vorträgen zum Thema „Ernährungstherapie bei Krebserkrankungen“ im Rahmen der Virtuellen Konferenz von Nutricia Global, die am 21. Mai 2021 stattgefunden hat. Diese Zusammenfassung wurde von Dr. oec. troph. Rainer C. Siewert verfasst. Weitere Informationen und Fortbildungsmöglichkeiten finden Sie auf der wissenschaftlichen Fortbildungsplattform „Danone Nutricia Campus“.

Literaturangabe

(PR) Prof. Paula Ravasco, MD, RD, MSc, PhD, Clinician, Professor, Specialist Immuno-Haematology, Principal Investigator & Team Leader at University Hospital Center of Lisbon North, Portugal

(AL) Prof. Alessandro Laviano, MD, Associate Professor of Internal Medicine at Department of Translational and Precision Medicine, Sapienza University of Rome, Italy.

(JA) Dr. Jann Arends, Specialist in Internal Medicine, Gastroenterology and Hemotology/Oncology; Senior Consultant in Palliative Care at Medical Center, University of Freiburg, Germany

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