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Neurologische Erkrankungen – Patienten leiden häufig unter einer Mangelernährung

Menschen mit neurologischen Erkrankungen, wie Schlaganfall, multiple Sklerose, Parkinson oder aber auch geriatrische Patienten und Menschen mit Demenz nehmen oftmals zu wenig Nahrung auf und verlieren, neben dem allgemeinen Gewichtsverlust, meist auch zusätzlich Muskelkraft. Patienten mit Chorea Huntington haben darüber hinaus auch einen erhöhten Bedarf.

Der Verlust an Gewicht führt in Folge oftmals zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands, reduziert die Mobilität, schwächt das Immunsystem und mindert die Lebensqualität. Darüber hinaus steigt das Risiko für Komplikationen.

Neben der medikamentösen Therapie sollte nach Meinung der Experten mehr Augenmerk auf eine bedarfsgerechte Ernährung gelegt werden.

Zudem findet sich neben einem generellen Mangel an Energie, auch häufig auch ein Mangel an Protein, Eisen, Vitaminen (vor allem Vitamin D) und Flüssigkeit bei betroffenen Menschen.

Folgende Ursachen können zu einer Mangelernährung führen

  • Schluckstörungen: Diese finden sich bei jedem zweiten Patienten nach einem Schlaganfall, aber auch bei Parkinson, multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen, als auch bei geriatrischen Patienten.
  • Appetitlosigkeit: Medikamente oder auch depressive Verstimmungen führen häufig dazu, dass Betroffene wenig Appetit haben und dadurch nur wenig Nahrung zu sich nehmen.
  • Zahnprobleme: Ein zunehmender Gewichtsverlust führt bei älteren Patienten häufig zu einer Lockerung der Prothese und in Folge dessen zu Problemen beim Kauen festerer Nahrungsmittel. Dies schränkt die Nahrungsaufnahme zusätzlich ein.
  • Essen vergessen: Gerade Menschen mit Demenz vergessen oft ihre Nahrung oder genügend Nahrung zu verzehren.
  • Ungewohnte Nahrung: Patienten im Krankenhaus oder Pflegeheimen gewöhnen sich meist schwer an die neuen Zubereitungsformen oder an den anderen Geschmack.
  • Soziale Umstände: Älteren oder kranken Menschen ist es manchmal nicht möglich regelmäßig einkaufen zu gehen, so dass eine Versorgung nicht immer gewährleistet ist.

Wie erfolgt die Diagnose?

  • Oft ist die Mangelernährung sofort am Erscheinungsbild des Patienten sichtbar, die Arme und Beine sind dünn, die Haut schlaff und fahl. Mit einer gezielten Anamnese und einem Gewichtsprotokoll kann ein erster Verdacht gestellt werden.
  • Mit Tests, wie dem MUST-Screening kann der Ernährungszustand anhand kurzer Fragen schnell ermittelt werden.
  • Laborwerte können einzelne Nährstoffmängel bestätigen.

Tipps für die Praxis

  • Appetitliche Zubereitung und Anreichern der Nahrung
  • Einkaufen und Kochen in Gemeinschaft
  • Regelmäßige Erinnerung zur Nahrungsaufnahme
  • Essen in Gemeinschaft
  • Lieblingsspeisen einsetzen
  • Bei Bedarf Supplementierung einzelner Nährstoffe
  • Anreicherung von Speisen mit Fett oder Einsatz fettreicher Lebensmittel
  • Kleinere, häufigere Mahlzeiten
  • Konsistenzadaptierte Zubereitung bei Patienten mit Dysphagie (Produkte zum Andicken von Speisen)
  • Einsatz von Trink- und Esshilfen
  • Gezielter Einsatz von medizinischer Trinknahrung (Trinknahrungsprodukte)
  • Einsatz einer Sondennahrung, wenn eine ausreichende orale Ernährung nicht möglich ist (Sondennahrung und Technik-Produkte)

Auch betroffen: Kinder und Jugendliche mit neurologischen Erkrankungen

Ca. 40% aller Kinder und Jugendlichen mit neurologischen Erkrankungen leiden unter einer Mangelernährung. Auch bei ihnen stehen Schluckstörungen oder Fütterprobleme im Vordergrund, die eine altersgerechte Ernährung in ausreichender Menge erschwert. Bei ihnen führt eine Mangelernährung meist zu Störungen in der Gewichts- und Wachstumsentwicklung, mit ebenfalls weitreichenden Folgen für ihre Entwicklung und Gesundheit.

Ziel ist auch bei ihnen eine orale Ernährung. Ist diese vorübergehend für eine gute Entwicklung nicht ausreichend, sollte eine medizinische Trinknahrung zusätzlich zur normalen Ernährung eingesetzt werden.

Für Kinder stehen spezielle Kinderprodukte bei Bedarf zur Verfügung – als Trinknahrung oder auch als Sondennahrung.

Eine Ernährungstherapie sollte bei allen Patienten möglichst frühzeitig begonnen werden.

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