Prähabilitation bei onkologisch-chirurgischen Patienten

Erfahrungsbericht aus der Praxis

Es ist wissenschaftlich belegt, dass 25% aller Patienten der deutschen Krankenhäuser mangelernährt sind und dies zu einer Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes führt1. Mehr als 1/3 der Patienten leiden unter einer Tumorerkrankung, eine Vielzahl der Patienten muss sich im Rahmen der Tumortherapie einer chirurgischen Intervention unterziehen. Risikofaktoren sind dabei das Vorliegen eines metabolischen Risikos sowie ein erhöhtes Alter über 70 Jahre und die Schwere der Grunderkrankung insbesondere bei Vorliegen einer Tumorerkrankung.

Ein Krankheitsassoziiertes schweres metabolisches Risiko liegt in Kenntnis der chirurgischen Richtlinien bei einem Gewichtsverlust > 10-15% innerhalb von 6 Monaten und einem BMI < 18,5 kg/m² sowie einem positiven NRS-2002-Score < 3 vor. Der Indexmarker ist das Serum-Albumin und ein Abfall auf unter 30 g/l mit oder ohne Leber- und Nierenfunktionsstörung gilt hierbei als erhöhtes metabolisches Risiko. So ist es notwendig bei Aufnahme bei allen Tumorpatienten das Nutritional-Risk-Screening (NRS) durchzuführen2.

In diesem Kontext hat die Firma Nutricia ein Prähabilitationspakt zur Vorbereitung auf eine Operation bei Tumorerkrankung und gesichertem Risiko der Fehl- und Mangelernährung etabliert. Das Prähabilitations-Paket besteht aus drei Komponenten, namentlich einem Atemtrainer zum Lungentraining (Drei-Kammer-System), die Zuführung oraler medizinischer Trinknahrung in Form von Trinkflaschen a 300 ml (Fortimel Compact Energy) und eine informative aufklärende Patientenbroschüre mit Checkliste zur OP-Vorbereitung und Anleitung für Sportübungen.

Ein Erfahrungsbericht aus dem Kreisklinikum Siegen

Im Kreisklinikum Siegen wird jetzt seit zwei Jahren das Prähabilitations-Paket bei Tumorpatienten konsequent eingesetzt. So finden an der hiesigen Klinik große onkologische Operationen nur nach entsprechender Vorbereitung und Einsatz des Prähabilitations-Paketes mit positivem Outcome statt. Ziel hierbei ist es, den Patienten in einem optimalen, eiweißbetonten Ernährungszustand der chirurgischen Intervention zuzuführen. Dabei folgt der Aufbau des Prähabilitations-Paketes der DGEM-Leitlinie Klinische Ernährung in der Chirurgie (Empfehlung 17-21)3, mit einem starken Grad der Empfehlung evidenzbasiert belegt sind. Auch die ERAS-Empfehlungen zur nutritiven Prähabilitation bei insbesondere gastrointestinalen Tumoren (Colon- und Rektumkarzinomen4, Ösophaguskarzinomen5 und Magenkarzinomen6 empfohlen) können mit dem Prähabilitationspaket umgesetzt werden. Konkret kann hier ein positiver Einfluss auf die Wundheilung und etwaig andere abweichende postoperative Komplikationen einerseits erreicht werden, andererseits ist es auch möglich, den Schweregrad der Komplikationen zu senken7 – einhergehend mit kürzerer postoperativer Liegedauer8 und daraus resultierenden geringen Gesamtkosten9.

Zusammenfassend entspricht der Einsatz des Prähabilitations-Paketes den aktuellen S3-Leitlinien und evidenzbasierten Empfehlungen. Prähabilitation führt nachweislich zu einer Verkürzung der Liegedauer10 sowie Senkung der Komplikationsrate und Komplikationsschwere11. Insofern ist die Prähabilitation bestehend aus obig beschriebenen Dreisäulen-Konzept eine wichtige Therapiesäule neben der Chirurgie bei onkologischen Patienten in Kenntnis der Inzidenz und auch der medizinischen Tragweite mangelernährter Patienten vor onkologischen Operationen.

Siegen, 20.05.2022

PD Dr. med. S. Dango
Chefarzt Chirurgie Kreisklinikum Siegen

Weitere Informationen über das Prähabilitationspaket finden Sie hier.

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Quellen

  1. Pirlich et al., 2006
  2. Weimann et al., 2013
  3. Weimann et al., 2013
  4. Gustafsson et al., 2019
  5. Low et al., 2019
  6. Mortensen et al., 2014
  7. Weimann et al, 2013; Weimann et al 2017; Kabata et al., 2015; Kong et al., 2018
  8. Gillis et al., 2018
  9. Smedley et al., 2004
  10. Gillis et al., 2018
  11. Burden et al., 2017; Kabata et al., 2018

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