Beim Schluckakt müssen mehr als 30 Nerven und Muskeln reibungslos zusammenarbeiten, um die Nahrung vom Mund in den Magen zu transportieren. Sind diese fein aufeinander abgestimmten Vorgänge beeinträchtigt, kann es zu Schluckstörungen kommen. In Abhängigkeit von der Lokalisation der auftretenden Störungen, unterscheidet man zwischen oropharyngealer Dysphagie (Beeinträchtigungen im Mund-Rachenraum) und ösophagealer Dysphagie (Störungen im Bereich der Speiseröhre).

Ursachen von Schluckstörungen

Dysphagien können verschiedene Ursachen haben und Menschen in jedem Alter betreffen. Am häufigsten treten sie bei neurologischen Erkrankungen und bestimmten Krebserkrankungen sowie im Alter auf.

Neurologische Erkrankungen

Sogenannte neurogene Dysphagien werden mitunter verursacht durch Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Chorea Huntington oder Amyotrophe Lateralsklerose. Besonders häufig ist ein Schlaganfall ein Grund für eine Schluckstörungen jedoch bei Schlaganfall-Patienten auf. In der Akutphase sind etwa 30 bis 50 % der Patienten betroffen. Nach 6 Monaten weist noch gut jeder Zehnte Schluckstörungen auf (vgl. Wirth R et al. 2013).

Bei neurogenen Dysphagien ist meist die oropharyngeale Phase betroffen. Typisch sind Beeinträchtigungen der Motorik von Mund- und Rachenraum; oft ist auch die Sensibilität im Bereich der Stimmlippen eingeschränkt. Nahrungsreste, die nicht vollständig geschluckt wurden, können deshalb im Pharynx verbleiben, ohne dass der Patient dies bemerkt oder der Hustenreiz ausgelöst wird.

Eine stille Aspiration liegt vor, wenn keine Schutzreflexe ausgelöst werden, wie Husten oder Würgen.

Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich

In etwa jeder 4. Patient mit Krebs im Mundraum oder im Kehlkopfbereich und jeder 2. Patient mit Krebs im Rachenraum weist eine Dysphagie auf (vgl. Raber-Durlacher JE et al 2012). Allein das Wachstum der Tumore kann zu Schluckstörungen führen, aber auch die Krebsbehandlung selbst. So können Chemotherapien mitunter zu Mukositiden und (Chemo-) Radiotherapien zu Gewebeatrophie, Gewebenekrosen, neuromuskulären Fibrosen oder Strikturen führen. Nach chirurgischen Eingriffen können durchtrennte Muskeln, Nerven und Narbengewebe den Schluckakt behindern.

Weiter werden Dysphagien auch bei anderen Krebserkrankungen beobachtet, etwa bei Tumoren der Schilddrüse, der Brust und der Lungen, die in den oberen Verdauungstrakt einwachsen oder dorthin metastasieren können.

Presbyphagie bzw. Altersschluckstörungen

Die Muskulatur nimmt im Alter ab – dies ist ein ganz normaler Vorgang und betrifft auch die Schluckmuskulatur. Dazu kommt eine nachlassende Elastizität des Bindegewebes, eine Abnahme der Speichelproduktion sowie der Geruchs- und Geschmacksempfindung. Diese Veränderungen passieren sehr langsam, können meist sehr gut ausgeglichen werden und benötigen keine Behandlung (sogenannte primäre Presbyphagie). Kommt es aber zusätzlich zu einer Erkrankung, kann sich eine sogenannte sekundäre Presbyphagie entwickeln. Die Erkrankung kann dabei einen nicht-schluckrelevanten Bereich betreffen wie z.B. ein Harnwegsinfekt.  Die Erkrankung braucht die geringen Reserven, die zur Verfügung standen auf – es kann zu einer Dysphagie mit starken Einschränkungen kommen.

Ältere Menschen haben auf Grund der Verlangsamung des Schluckvorgangs oftmals mehr Probleme mit dünnen Flüssigkeiten und auf Grund der verringerten Kraft zum Kauen mit harten Konsistenzen.

Die Prävalenzrate für Dysphagien steigt mit dem Alter aufgrund physiologischer Veränderungen an. So geht mit zunehmendem Alter die Muskelmasse zurück und das Bindegewebe verliert an Elastizität – auch in jenen Regionen, die für das Schlucken zuständig sind. Auch eine rückläufige Speichelproduktion sowie Veränderungen der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung begünstigen Schluckstörungen.

Bei geriatrischen Patienten ist die Zungen- und Wangenmuskulatur oft zu schwach, um den Bolus richtig zu platzieren und so die Triggerareale für den Schluckreflex im Gaumen und Rachen zu reizen. Vor allem feste und zähe Nahrung, wie z. B. Fleisch, bleibt dann hängen oder wird wieder ausgespuckt. Bei reduzierter pharyngealer Sensibilität wiederum sind die Schluckreflexe bei dünnflüssigen Konsistenzen gestört. Flüssigkeiten wie Speichel, Getränke und Suppen können dann in den Larynx oder die Trachea gelangen.