Als Pädiater wissen Sie um die zentrale Bedeutung der richtigen Ernährung für Säuglinge und Kinder. Gut ernährte Kinder

  • entwickeln sich besser im physischen und kognitiven Bereich
  • haben bessere Abwehrkräfte und sind weniger krankheitsanfällig
  • sprechen besser auf Behandlungen/Therapien an
  • haben mehr Muskelmasse für eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit
  • fühlen sich besser und haben eine höhere Lebensqualität
  • haben kürzere Klinikaufenthalte
  • haben eine bessere Wundheilung

Besonders Wachstum und Gedeihen sind wichtige Indikatoren für den Gesundheitszustand von Kindern.

Bei Ihren Vorsorgeuntersuchungen in der pädiatrischen Praxis übertragen Sie Körpergröße und -gewicht Ihrer jungen Patienten routinemäßig in Perzentilenkurven. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, die individuelle Entwicklung des Kindes im Vergleich zu den Durchschnittswerten bzw. Normwerten zu betrachten. Hierbei ist es wichtig, nicht die Einzelmessung, sondern immer den individuellen Verlauf der Wachstumskurven eines Kindes zu sehen, denn jedes Kind entwickelt sich individuell. Die Perzentilenkurven geben frühzeitig Aufschluss über Abweichungen, um bei Bedarf schnell ernährungstherapeutische Maßnahmen einzuleiten.

Definition „Gedeihstörung“

Wenn Gewicht und Größe deutlich unter dem altersbezogenen Durchschnitt liegen, deutet dies auf eine Gedeihstörung hin. Begleitet wird diese häufig von Auffälligkeiten in der motorischen und psychosozialen Entwicklung.

Ursachen einer Gedeihstörung können vielfältig sein und infolge verschiedenster Erkrankungen oder Lebensumstände auftreten. Folgende Faktoren können zu einer Gedeihstörung führen:

  • Unzureichende Nahrungsaufnahme
  • Mangelnde Digestion und Resorption von Nährstoffen (Malabsorption/Malassimilation)
  • Gesteigerter Energieumsatz
  • Vermehrte Verluste über den Stuhl

Je jünger das Kind ist, desto höher ist das Risiko für eine Mangelernährung!

Unterscheidung zwischen organischer und anorganischer Gedeihstörung

Organische Gedeihstörung

Die Gedeihstörung ist heute, bei meist ausreichender Verfügbarkeit von Nahrung, häufig ein Begleitsymptom einer organischen Erkrankung. Die folgenden Erkrankungen tragen ein hohes Risiko für eine Gedeihstörung:

  • Sehr unreife Frühgeburtlichkeit
  • Angeborener Herzfehler
  • Morbus Crohn
  • Zystische Fibrose (Mukoviszidose)
  • Onkologische Erkrankungen
  • Beeinträchtigung der Ess- oder Schluckfähigkeit, z. B. aufgrund neurologischer Erkrankungen

Untersuchungen zeigen, dass jeder 4. pädiatrische Patient unter einer krankheitsbedingten Mangelernährung leidet (Pawellek I et al 2008).

Anorganische Gedeihstörung

Lässt sich im Screening als Ursache für die mangelnde Versorgung mit Nährstoffen keine Grunderkrankung feststellen, spricht man von einer anorganischen Gedeihstörung, auch primäre Gedeihstörung genannt. In vielen Fällen findet sich keine Erkrankung, so dass die Diagnose anorganische Gedeihstörung häufig gestellt wird. Sie tritt gehäuft unter anderen bei Kindern auf, die unter ungünstigen sozialökonomischen Verhältnissen aufwachsen. Ursachen für eine Mangel- und Unterernährung können sein:

  • Schlechte Lebensbedingungen
  • Vernachlässigung
  • Unwissenheit oder Fehlernährung aufgrund von einseitigen Ernährungsformen oder Diäten
  • Fehlendes Nährstoffangebot
  • Fütterungsstörung

Eine anorganische Gedeihstörung lässt sich, sofern schnell erkannt, im Normalfall gut mit einem adäquaten Ernährungsmanagement behandeln.

Symptome der Gedeihstörung

Das Leitsymptom einer Gedeihstörung, ob organisch oder anorganisch bedingt, ist eine verzögerte somatische Entwicklung im Vergleich zu den aktuellen Durchschnitts- bzw. Normwerten.

Diagnose einer anorganischen Gedeihstörung

Ein rechtzeitiges Erkennen von Anzeichen einer Mangelernährung und einer Gedeihstörung durch Ihre ärztliche Diagnose und eine frühe Intervention durch eine individuelle pädiatrische Ernährungstherapie sind Voraussetzungen dafür, die schwerwiegenden Folgen für die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes abzufangen und zu vermindern.