Insbesondere in Kliniken, Rehakliniken und geriatrischen Institutionen sind standardisierte Handlungsanleitungen für ein regelmäßiges Screening auf Mangelernährung empfehlenswert. Aber auch im ambulanten Bereich ist ein frühzeitiges Screening auf Ernährungsdefizite sinnvoll.

Screenings zur Diagnose von Mangelernährung

Für die Diagnose einer Mangelernährung stehen unterschiedliche Screenings zur Verfügung, die schnell und einfach Ergebnisse liefern können. Bewährt haben sich vor allem:

Malnutrition Universal Screening Tool (MUST)

Der standardisierte MUST-Fragebogen enthält 6 Fragen zu Appetit, Gewichtsverlauf, Mobilität, Krankheiten und Stress, BMI und psychischer Situation (Demenz). Der Test kann in wenigen Minuten durchgeführt werden. Das MUST-Screening wird von der Europäischen Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) im ambulanten Bereich empfohlen, um ältere Menschen mit (potenzieller) Mangelernährung in allen geriatrischen Bereichen zu identifizieren. Das MUST-Screening ist auch als App für Smartphones oder Tablets kostenfrei erhältlich.

Mini Nutritional Assessment (MNA)

Dieser Fragebogen ist ein wichtiges und validiertes Instrument zur Erfassung und Erkennung der Mangelernährung speziell bei älteren Menschen. Er findet sowohl in der häuslichen Pflege als auch im Krankenhaus oder im Pflegeheim Anwendung.

Nutritional Risk Screening (NRS)

Dieses Instrument, das von der ESPEN für den stationären Bereich empfohlen wird, ist ein Vorscreening bestehend aus vier Fragen zu Gewicht, Gewichtsverlust, Nahrungszufuhr und Erkrankung. Mit ihm kann die Notwendigkeit einer genaueren Bewertung des Ernährungszustandes (Hauptscreening) errechnet werden.

Subjective Global Assessment (SGA)

Das SGA ist ein bewährtes Instrument, wird jedoch nicht primär bei geriatrischen Patienten angewendet.

Genauere Informationen zu den verschiedenen Screening-Methoden finden Sie auf der Website der deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin.

MUST Score online berechnen

Gerne stellen wir Ihnen einen Onlinerechner zu Verfügung, mit dessen Hilfe Sie den MUST Score Ihrer geriatrischen Patienten schnell und einfach berechnen können.

zum MUST Screening

Assessment zur differenzierten Diagnose

Sofern ein Risiko für eine Mangelernährung oder eine Mangelernährung vorliegt, sollte ein umfangreiches Assessment zur differenzierten Erfassung und Einschätzung der gesundheitsbezogenen Situation durchgeführt werden. Nach Küpper (2010) liefert vor allem ein Assessment, das objektive und subjektive Methoden miteinander kombiniert, einen umfassenden und individuellen Befund (siehe Tabelle).  

Assessments des Ernährungszustandes nach Küpper (2010)
Objektive Methoden
Anthropometrische Verfahren Körpergewicht, BMI, Körpergewichtsentwicklung, mitunter auch Oberarmumfang und Taillenumfang sowie Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang (Waist-to-Hip Ratio)
KörperzusammensetzungInsbesondere Ermittlung des Gehalts von Körperfett und Körperprotein
LabordiagnostikU. a. Blut- und Urinuntersuchung
Funktionelle UntersuchungMuskelkraft (Hand-, Zugdynamometer) sowie Belastungstest wie z. B. Gehstrecke, Treppensteigen
Subjektive Methoden
Ernährungsanamnese und ggf. Ernährungsprotokoll und DokumentationAllgemeine Kriterien der Nahrungsaufnahme (Appetit, Trinkmenge, Portionsgrößen, Lebensmittel, Vorlieben, Abneigungen, etc.) sowie auftretende Probleme bei der Ernährung (z. B. Unverträglichkeiten, Kau-, Schluckstörungen, Durchfall, Verstopfung). Beobachtung des Ernährungsverhaltens.
Klinische Anamnese und ärztliche UntersuchungErkrankungen und Medikation, allgemeines Erscheinungsbild und Auffälligkeiten (z. B. Untersuchung der Haut, Nägel, Schleimhaut, Mund, Zahnfleisch), Erfassung der psycho-mentalen und sozialen Situation sowie neurologische Untersuchungen.