Covid-19 ist eine Infektionskrankheit, die durch ein neuartiges Coronavirus (Sars-CoV-2) verursacht wird und zu einer Atemwegserkrankung mit Symptomen wie Husten und Fieber führt. In schwereren Fällen kann es zu einer Lungenentzündung bis hin zum akuten respiratorischen Versagen (ARDS) kommen.

Patienten mit schwerem Verlauf der Corona Erkrankung sind oft beatmungspflichtig, geriatrisch und müssen intensivmedizinisch therapiert werden, weshalb diese Corona-Patienten einem hohen Risiko, eine Mangelernährung zu entwickeln unterliegen.
Das trifft im Besonderen auf ältere Erwachsene und Patienten mit Komorbiditäten zu, da diese häufig bereits einen vorherbestehenden Katabolismus und verminderte Skelettmuskelmasse und -funktion aufweisen. Zusätzlich entwickeln diese Patienten häufiger durch COVID-19 und der Behandlung auf der Intensivstation eine intensivere katabole Reaktion. Die bei vielen Patienten mit COVID-19 beobachtete sehr lange Verweildauer (mehr als 2 Wochen) auf der Intensivstation trägt zusätzlich zum Muskelverlust bei. Eine angemessene Energieversorgung unter Vermeidung einer Hyperalimentation sowie eine adäquate Proteinzufuhr sind wichtig, um diesem schweren Verlust an Muskelmasse und -funktion entgegenzuwirken. 

Für Corona Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf im Stress-Stoffwechsel gelten die gleichen Empfehlungen hinsichtlich Auswahl der Sondennahrung sowie Pflege und Umgang mit der Applikationstechnik wie bei kritisch kranken Intensivpatienten im Allgemeinen.

Besonderheiten des Ernährungsmanagements von Corona Patienten mit den benötigten Medizinprodukten: 

Stand heute gibt es keine evidenzbasierten Empfehlungen speziell für das Ernährungsmanagement von Patienten mit COVID-19. Die Empfehlungen beruhen auf aktuellen Erfahrungswerten, Leitlinien für die Therapie kritisch kranker Intensivpatienten sowie den kürzlich erschienenen Aussagen der Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) für Patienten mit COVID-19.

Mangelernährung

Corona-Patienten, insbesondere, wenn sie beatmungspflichtig sind, unterliegen einem hohen Risiko für Mangelernährung. Deshalb sollte bei diesen Patienten unmittelbar mit einer Ernährungsintervention begonnen werden.

Beeinträchtigter Darm

Das Coronavirus kann die Darmschleimhaut angreifen, ein Teil der Erkrankten leidet unter gastrointestinalen Störungen wie Diarrhoe. Deshalb ist die frühe enterale Ernährung gerade für diese Patientenklientel sehr wichtig, um frühzeitig die Darmzotten zu ernähren und dadurch einer bakteriellen Translokation entgegen zu wirken.

Bauchlagerung

Eine enterale Ernährung ist auch in Bauchlagerung (180° sowie 135°) möglich, aber mit besonderem Augenmerk auf ein erhöhtes gastrales Residualvolumen. Deshalb

  • niedrige Laufrate (≤ 30 ml/h) nutzen
  • jejunale Sondenernährung in Betracht ziehen
  • standardmäßig hochkalorische (1,3 – 1,5 kcal/ml), hochmolekulare Sondennahrung einsetzen (bei intestinaler Beeinträchtigung Oligopeptid-Nahrung in Betracht ziehen)
  • gegebenenfalls supplementierende parenterale Ernährung

Nicht invasive Beatmung

Patienten mit nicht invasiver Beatmung (NIV) können enteral ernährt werden, wenn sie ausreichend vigilant sind und über hinreichend Schutzreflexe verfügen.

Flüssigkeitsrestriktion

Für Patienten mit akutem Lungenversagen (ARDS) wird eine restriktive Flüssigkeitstherapie empfohlen, da eine übermäßige Flüssigkeitsbelastung eine Hypoxämie verschlechtern kann. Die Menge an Flüssigkeit sollte streng kontrolliert werden. Sondennahrung mit maximal 1,3 – 1,5 kcal / ml einsetzen, da sehr hochkalorische Sondennahrung mit 2 kcal /ml das gastrale Residualvolumen erhöhen kann.

Dysphagie

Coronavirus-Patienten werden teilweise über einen längeren Zeitraum von etwa 14 Tagen beatmet. Ein starker Zusammenhang zwischen „Beatmungsdauer und Dysphagiehäufigkeit“ ist bekannt: Bereits eine Beatmungsdauer von 48 h und mehr führt bei 2/3 der Patienten zu Schluckstörungen*. Dies hat Auswirkungen auf die Therapie (Ernährung und Logopädie) in der Rehabilitationsphase.

* Skoretz SA, Flowers HL, Martino R. The incidence of dysphagia following endotracheal intubation: a systematic review. Chest. 2010; 137:665–673

Muskelverlust

Die Langzeitprognose für kritisch kranke Patienten nach intensivmedizinischer Behandlung wird stark beeinflusst von deren physischen und psychischen Beeinträchtigungen. Der Verlust von Skelettmuskulatur und Muskelfunktion kann ein enormes Problem für Patienten in der Nach-ICU Behandlung darstellen. Es wird berichtet, dass die intensivmedizinische Behandlungsdauer von COVID-19 Patienten 2 Wochen oder länger andauert**. Insbesondere ältere Erwachsene und Patienten mit Komorbiditäten weisen häufig bereits einen vorherbestehenden Katabolismus und verminderte Skelettmuskelmasse und -funktion auf. Zusätzlich entwickeln diese Patienten häufiger durch COVID-19 und der Behandlung auf der Intensivstation eine intensivere katabole Reaktion. Die bei vielen Patienten mit COVID-19 beobachteten sehr langen Verweildauern auf der Intensivstation tragen zusätzlich zum Muskelverlust bei. Eine angemessene Energieversorgung unter Vermeidung einer Hyperalimentation sowie eine adäquate Proteinzufuhr sind wichtig, um diesem schweren Verlust an Muskelmasse und -funktion entgegenzuwirken.

**Barazzoni R et al., ESPEN expert statements and practical guidance for nutritional management of individuals with SARS-CoV-2 infection, Clinical Nutrition, https://doi.org/10.1016/j.clnu.2020.03.022

Nachsorge

Die intensivmedizinische Behandlungsdauer von Corona-Patienten wird mit zwei Wochen und länger berichtet. Neben der Ernährungstherapie in der akuten Phase kann davon ausgegangen werden, dass bei Corona-Patienten eine adäquate Ernährungstherapie in der Post-Akutphase eine zentrale Rolle für den weiteren Behandlungserfolg spielt.

In den nachfolgenden Dokumenten haben wir die Aussagen von ESPEN für Patienten mit COVID-19 für Sie zusammengefasst:

Übersicht der 10 Empfehlungen zum Ernährungsmanagement von COVID-19 Patienten

PDF, 249 KB

Ausführliche Darstellung der Aussagen und Empfehlungen zum Ernährungsmanagement von COVID-19 Patienten

PDF, 201 KB

Das Nutricia Ernährungsteam unterstützt Sie und Ihre Patienten und  Patientinnen auch in der Phase nach der intensivmedizinischen Betreuung bei der Fortführung der Ernährungstherapie im ambulanten Bereich.