Der menschliche Körper benötigt für die Aufrechterhaltung seiner körperlichen und geistigen Funktionen ausreichend Nährstoffe und Energie. Bei einem länger andauernden Ungleichgewicht zwischen Bedarf und Zufuhr kann es zu einer Unterversorgung des Körpers kommen, die als Malnutrition bzw. Mangelernährung bezeichnet wird.

Durchschnittlich weisen stationäre geriatrische Patienten in Kliniken zu 38,7 % und Reha-Patienten zu 50 % eine Mangelernährung auf. Von den zuhause lebenden gesunden Älteren sind 5,8 % und von den im Pflegeheim lebenden Patienten 13,8 % mangelernährt. Allgemein geht man davon aus, dass rund 50 % aller Senioren ein Risiko für eine Mangelernährung haben (vgl. Kaiser et al. 2010).

Kriterien für Mangelernährung im Alter

Unbeabsichtigter Gewichtsverlust und reduzierte Körpermasse sind zwei wesentliche Kriterien(1) für das Vorliegen einer Mangelernährung bei Senioren. Von Malnutrition spricht man bei einem Verlust von mehr als 5 % des Körpergewichts innerhalb der letzten drei Monate oder bei einem Verlust von mehr als 10 % des Gewichts innerhalb von 6 Monaten. Ein weiteres Indiz ist ein zu geringer Body-Mass-Index von 20 kg/m2 oder weniger.

Unbeabsichtigter Gewichtsverlust> 5 % des Körpergewichts in 3 Monaten oder > 10 % des Körpergewichts in 6 Monaten
Reduzierte Körpermasse Body Mass Index (BMI) < 20 kg/m2

Bei Befunden dieser Art sollten umgehend notwendige Maßnahmen zur Verbesserung des Ernährungsstandes eingeleitet werden. Ein adäquates Ernährungsmanagement berücksichtigt dabei auch die Ursachen für Ernährungsprobleme, die identifiziert und bestmöglich beseitigt oder ausgeglichen werden sollten.

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Ursachen und Risiken für eine Mangelernährung im Alter

Ein Risiko für Mangelernährung besteht bei älteren Menschen mit anhaltend reduzierter Nahrungsaufnahme (ca. 50 % des Nähstoffbedarfs über mehr als 3 Tage) oder wenn gleichzeitig mehrere Risikofaktoren vorliegen, die entweder die aufgenommene Nahrungsmenge bzw. die Nährstoffaufnahme verringern oder den Energie- und Nährstoffbedarf erhöhen.

Veränderter Nährstoffbedarf im Alter

Im Alter verändert sich der gesamte Organismus, wodurch sich nach und nach auch die Anforderungen an eine bedarfsgerechte Ernährung ändern. Im Rahmen des „normalen“ Alterungsprozesses nehmen die funktionellen Reserven praktisch aller Organe ab; insbesondere die Darm-, Pankreas-, Nieren- und Leberfunktion sind eingeschränkt. Dies hat Folgen für den gesamten Stoffwechsel. Zudem können chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, KHK, Osteoporose oder Niereninsuffizienz die Nährstoffaufnahme beeinflussen und eine Mangelernährung begünstigen.

Appetitlosigkeit und weitere Ursachen

Zu einer gestörten Regulation der Nahrungsaufnahme können im Alter auch ein verringertes Durstempfinden und stark ausgeprägte Appetitlosigkeit führen. Eine eingeschränkte Sensorik (abnehmende Wahrnehmung von Geschmack und Geruch, vermindertes Sehen), sowie Einbußen hinsichtlich der körperlichen Leistungsfähigkeit (z. B. sind Einkaufen oder das Zubereiten von Mahlzeiten oft nicht mehr möglich) sind bei älteren Menschen nicht selten und gelten als weitere Einflussfaktoren für eine Malnutrition.

Auch Kau- oder Schluckbeschwerden erschweren häufig die bedarfsgerechte Ernährung von Senioren. Appetitlosigkeit kann darüber hinaus eine Nebenwirkung von Medikamenten (z. B. NSAIDs, Diuretika, PPI) sein. Zudem können körperliche Gebrechen und damit einhergehende Schmerzen ebenso wie psychische und seelische Erkrankungen die Nahrungsaufnahme generell erschweren und sich auf die Nährstoffversorgung auswirken.

Die Ursachen einer Mangelernährung im Alter sind oft multifaktoriell bedingt. Neben physiologischen Altersveränderungen können körperliche, geistige psychische und soziale Faktoren, wie Trauer, soziale Isolation, Wohn und lebenssituation,  die bedarfsgerechte Ernährung beeinflussen. Gerade chronische Erkrankungen und die damit assoziierten funktionellen Einschränkungen haben einen großen Einfluss auf den Ernährungszustand und verstärken das Risiko an Gewicht zu verlieren und an einer  Mangelernährung zu erkranken.

Auf einen Blick: Potenzielle Ursachen von Mangelernährung im Alter

  • Appetitlosigkeit
  • Kaubeschwerden
  • Schluckstörungen
  • Immobilität und Beeinträchtigung der Extremitäten
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Depressive Stimmung, Depression
  • Einsamkeit, soziale Isolation
  • Gastrointestinale Erkrankungen und Beschwerden
  • Sonstige akute Erkrankungen, (chronische) Schmerzen
  • Medikamentennebeneffekte
  • Restriktive Diäten

Mangelernährung bekämpfen durch frühe Diagnose und Intervention

Um die schwerwiegenden Gesundheitsrisiken eine Mangelernährung zu vermeiden, ist es wichtig, schon frühzeitig auf Ernährungsprobleme und Anzeichen eines Nährstoffmangels zu achten. Vor allem Angehörige sollten sensibilisiert werden und aufmerksam die Mahlzeiten sowie die körperliche Verfassung ihrer Nahestehenden beobachten. Ernährungslücken lassen sich oftmals schon vor einem starken Gewichtsverlust aufdecken. Einmal entdeckt und hinsichtlich ihrer Ursachen analysiert, lassen sich diese Lücken durch gezielte und bewährte ernährungstherapeutische Maßnahmen oft erfolgreich behandeln.

Je früher durch eine individuell angepasste Ernährungsintervention eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung wiederhergestellt wird, desto eher lassen sich Selbstständigkeit und Selbsthilfefähigkeit der betroffenen Senioren wiederherstellen und erhalten.